Geschichte
 
 
Das Diebenloch
Vor vielen hundert Jahren stand oben auf dem Berg gegen Pfahldorf, wo das Pietental einschneidet, ein Schloss. Ein mächtiger Turm blickte weit über das Altmühltal. Der letzte Burgherr war Junggeselle geblieben. Er hatte das Zeitliche gesegnet, und die Burg blieb lange Zeit unbewohnt. Da es in ihr nicht recht geheuer war, wagte sich niemand in die Nähe.
Einst suchte ein Schäfer nach einem verlorenen Schaf und kam bis an die Burgmauer heran. Da vernahm er oben aus dem Turm ein heftiges Klopfen. Er glaubte, es gelte ihm und wollte hinauf, um nachzusehen, wer ihn wünschte. Er brachte aber das Tor nicht auf. Das Schloss war eingerostet. Deshalb stieß er mit dem Fuß an das Tor und rief: „Was wollt ihr von mir?“ Plötzlich vernahm der Hirte ein mächtiges Brausen und Donnern, dass er vor Schreck wie tot zu Boden stürzte. Als er wieder zu sich kam, stand er vor einem schwarzen Loch, dem Eingang zu einer Höhle. Die Burg aber war versunken. In der Höhle verbarg sich später allerlei Diebesgesindel. Sie erhielt daher den Namen „Diebenloch“.
 
Das nächtliche Kegelspiel
In der Nähe der Kirche stand einst der Sitz der Herren von Pfalzpaint. Ein so genannter Römerturm, von dem heute noch Überreste zu sehen sind, diente als Burgverlies. Selten hat ein Bösewicht, der da hineingesperrt wurde, wieder das Tageslicht erblickt. Die meisten mussten elendiglich verhungern. Häufig hörte man nachts in dem Turm ein Rollen und Klappern wie bei einem Kegelspiel. Es waren die toten Räuber, die sich vergnügten. Als sie einst wieder ihr sonderbares Spiel trieben, kam ein Hirtenknabe in die nähe des Turmes. Sie boten ihm an, auch mitzuspielen. Der Knabe besann sich eine Weile, nahm aber dann nur eine Kugel. Da ächzten und stöhnten die Räuber laut auf. Hätte der Hirte das ganze Spiel genommen, wären sie erlöst gewesen.
 
Die Bildsäule am Pfahldorfer Weg
Geht man von Pfalzpaint nach Pfahldorf kann man seinen Weg durch das Pietental nehmen. Man erreicht so mit geringer Mühe die steile Höhe. Schon eine vorrömische Straße soll hier nach Pfahldorf geführt haben. Am Eingang des Taleinschnitts befand sich früher eine geräumige Höhle, in der es nachts gar unheimlich war.
Einst geriet ein Bauer auf seinem Heimweg in die Höhle. Er hatte zuviel getrunken und glaubte, er sei zu Hause. Da wand sich etwas um seine Beine. Ohne lang zu forschen was es sei, begann er fürchterlich zu fluchen. Da stand auch schon ein schwarzer Mann mit Hörnern vor ihm. In der Hand trug er eine mächtige Gabel. Kein Zweifel, es war der Teufel. Nicht Herr seiner Sinne ging der Bauer auf ihn los. Aber schon stak ihm die Gabel des Schwarzen in der Brust und dieser fuhr mit seinem Höllenbraten in die Unterwelt.
Mehrere Leute sollen auf dieselbe Weise um Leben und Seeligkeit gekommen sein. Man sah des öfteren, wie Männer nachts die Höhle klagend umwanderten. Später schüttete man die Höhle zu und errichtete eine Bildsäule, die heute noch steht. Da hatte aller Spuk ein Ende.
 
Die Kapelle am Waltinger Weg
In nächster Nähe von Pfalzpaint steht eine Kapelle, die als Wallfahrtsort weit und breit bekannt ist. Die Leute erzählen sich, dass es in der Nähe der Kapelle nicht recht geheuer sei, und dass sich dort schon öfter ein Gespenst gezeigt habe, das besonders Fluchern und Gotteslästerern gefährlich werde.
Es ging da einmal ein Mann aus Pfalzapaint, der gern fluchte, von Walting nach Haus. Er hatte dem Bier stark zugesprochen und war ziemlich angeheitert. Als er an die Kapelle kam, schlug es eben auf der Kirchenuhr in Pfalzpaint zwölf Uhr. Da flammten in der Kapelle Lichter auf, die Türe öffnete sich und ein Mann ohne Kopf ging auf den Wanderer zu. Dieser konnte auch jetzt seine üble Gewohnheit nicht lassen. Mit den heftigsten Fluchwörtern empfing er das unheimliche Gespenst. Dieses aber setzte sich auf seine Schultern. Keuchend unter der schweren unheimlichen Last stapfte der Mann seiner Behausung zu. Aber wie sah er am anderen Tag aus! Sein Gesicht war eingefallen und bleich und ein schleichendes Fieber hatte ihn befallen. Nach wenigen Tagen war er tot.
 
Aus: Die Altmühl, Sagen und Legenden. Fritz Majer & Sohn Verlag